Startseite
Meine Story
Termine
Zeittafel
Flugplätze
Publikationen
Ausstellungen
Luftfahrthistorie
Links
Impressum
 


Mehr als 225 Jahre läßt sich in Darmstadt das Interesse an der Luftfahrt zurückverfolgen bis in das Jahr 1783, in dem die ersten bemannten Heißluftballonaufstiege der Gebrüder Montgolfier in Frankreich bekannt wurden. Das Jahr, in dem Erbprinz Ludewig von Hessen-Darmstadt Abbildungen und kleine Ballons zum Experimentieren aus Paris mit an den Hof  brachte. Im 20. Jahrhunderts kamen und gingen ab 1907 Luftfahrtorganisationen, die Militärflieger, Flugzeugfabriken und die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug. Mit der Errichtung eines Lehrstuhls für Luftschiffahrt und Flugtechnik begann 1913 im Fachbereich Maschinenbau an der Großherzoglich Technischen Hochschule die wissenschaftliche Forschung, die bis heute in der Technischen Universität und den Luft- und Raumfahrtzentren ihren Platz hat. Besondere Bedeutung kommt Luftfahrtpionier August Euler sowie der Flug-Sport-Vereinigung Darmstadt zu. 

Fliegen leichter als Luft:
Die Experimentierfreudigkeit und das Interesse am Ballonfahren am Hof in Darmstadt führten dazu, dass 1785 Blanchard am 3. Oktober allein mit seinem Ballon von Frankfurt am Main nach Weilburg fuhr, nachdem am 27. September 1785 sein Aufstieg mit dem Bruder des Erbprinzen, Prinz Friedrich von Hessen-Darmstadt misslungen war. Schon 1802 wurde in Darmstadt ein bemannter Luft-Ballon im Hof des Hessischen Hauses vor zahlendem Publikum bis etwa 20 Schuh hoch gelassen. Konstruktion und Bau von Luftschiffen Ende des 19. Jahrhunderts bescherte dem deutschen Kaiserreich in Friedrichs­hafen am Bodensee am 2. Juli 1900 das erste fahrbare lenkbare Zeppelin-Luftschiff. Die Darmstädter konnten ein paar Jahre später am 4. August 1908 ab 16.30 Uhr das 136 Meter lange Luftschiff LZ 4 des Grafen Zeppelin für ungefähr eine Stunde am westlichen Horizont der Stadt als kleinen waagrechten Wolkenstrich am Himmel beobachten. Ein Gewitter zerstörte dieses Luftschiff einen Tag später am 5. August bei Echterdingen. Im gleichen Jahr wurden in Darmstadt die ersten Vorträge über Luftschiffe gehalten. Bis Mitte des Ersten Weltkrieges kam den Luftschiffen sowohl in der Personen- und Postbeförderung als auch im militärischen Bereich Bedeutung zu. Luftschiffe gingen auf dem Weiterstädter oder Darmstädter Exerzierplatz und dem Griesheimer Sand nieder.

Bis in die 1930er Jahre berichtete die Presse unter der Rubrik Luftschiffahrt nicht nur von Ballons und Luftschiffen sondern auch über Motor- und Segelflug.

Segelflug in Darmstadt:
Nachdem Otto Lilienthal 1894 in der Nähe von Berlin mit seinem selbst konstruierten Gleitapparat Flugweiten bis 250 Meter erreicht hatte und seine Experimentierfreudigkeit 1896 mit dem Leben bezahlte, gelangen erst ab 1908 Offermann bei Aachen Versuche mit Sitzgleitern, für die er nach dem Beispiel Lilienthals einen künstlichen Hügel angelegt hatte. Im Jahr darauf rief Eisenlohr an der TH Berlin eine studentische Fluggruppe ins Leben, die allerdings im Frühjahr 1910 nicht mehr weiterarbeitete. Ebenfalls 1909 wurde im Großherzogtum Hessen-Darmstadt die „Flug-Sport-Vereinigung Darmstadt (F.S.V.)“ gegründet. Sie alle waren Vorkämpfer des sich anfangs noch in bescheidenem Rahmen zaghaft entwickelnden Gleitflugsportes im Taunus, in Rhön und Eifel, im Erzgebirge und anderswo. Die Bezeichnung Segelflug wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg gebräuchlich.

Auf dem Heppenheimer Flugplatz pflegt neben der 1920 ins Leben gerufenen und mittlerweile weltweit bekannten Akademischen Fliegergruppe Darmstadt e. V. der 1953 gegründete Sportfliegerclub Darmstadt e. V. bis heute den Segelflug in der Stadt. Der Flugsportvereinigung Offenbach Reinheim e. V. gehören ebenfalls Mitglieder aus dem Raum Darmstadt an.  

Motorflug in Darmstadt:

Dem Wirken von Luftfahrtpionier Dr.-Ing. e. h. August Euler (1868 - 1957) kommt im Motorflugsport über die Grenzen Darmstadts hinaus eine ganz besondere Bedeutung zu. Mit dem Ende 1908 gestellten und wenig später bewilligten Pachtantrag zur Nutzung des Fußexerzierplatzes des Truppenübungsplatzes Griesheim bei Darmstadt als Flugplatz (dem heutigen August-Euler-Flugplatz) für Flugversuche und den Betrieb seiner bereits als erste in Deutschland gegründeten Flugzeugfabrik) schuf er die Voraussetzung, sich selbst das Fliegen beizubringen, legte am 31. Dezember 1909 seine Flugzeugführerprüfung ab - das Flugzeugführer-Zeugnis „Deutschland Nr. 1“ (Ausstellungsdatum 1. Februar 1910), um anschließend Motorflieger auszubilden. In Darmstadt konstruierte und baute er Flugapparate, darunter den „Gelben Hund“ Nr. 33, das Flugzeug, mit dem 1912 der erste offiziell genehmigte Postflug in Deutschland durchgeführt wurde. Aus Platzmangel verlegte er Pilotenschule und Flugzeugfabrik Anfang 1912 nach Frankfurt-Niederrad. Die Tradition der Motorflieger führt heute der Hessen-Flieger Verein für Luftfahrt 1924 Darmstadt e.V. mit Heimatflugplatz Frankfurt-Egelsbach weiter. 

Weitere Einzelheiten in Ursula Ecksteins Buch „August-Euler-Flugplatz Darmstadt“.