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Darmstadt zählt zu den wenigen Städten in Deutschland, die zwei Flugplätze vorweisen können.



1. August-Euler-Flugplatz Darmstadt
    (auf dem Griesheimer Sand)

Die Technische Universität Darmstadt, seit 2005 Eigentümerin des Flugplatzes, veranstaltete aus Anlass der Flugplatzgründung vor 100 Jahren am 30./31. August 2008 einen großen Flugtag, s. auch
       www.100-jahre-august-euler.de
. Dazu erschien im Auftrag des Magistrats der Wissenschaftsstadt Darmstadt mein Buch „August-Euler-Flugplatz Darmstadt“. Einige Daten können der "Zeittafel" entnommen werden. Auch weise ich auf meinen Beitrag unter dem Stichwort "Flugplätze" im "Stadtlexikon Darmstadt" hin, s. auch "Publikationen".

Alles begann mit dem Geschäftsmann August Euler, der 1908 den Truppenübungsplatz Griesheim bei Darmstadt auf dem Griesheimer Sand für seine Pläne, Motorflugzeuge zu bauen und zu fliegen, als geeignet ansah und für einen Teil des Fußexerzierplatzes einen Pachtantrag stellte. Nach der Genehmigung errichtete Euler dort 1909 die erste deutsche Flugzeugfabrik, eine Flugzeughalle mit Nebenräumen nebst Pilotenschule, legte dort am 31. Dezember 1909 seine Flugzeugführerprüfung als erster Pilot in Deutschland ab und baute, flog und unterrichtete auf diesem Flugplatz. 1912 zog er nach Frankfurt-Niederrad auf ein größeres Gelände um.   Der Flugplatz in Darmstadt durchlief eine wechselvolle Geschichte. Vor dem Ersten Weltkrieg bekannt geworden durch August Euler, die Preußische Fliegerstation und die Zuverlässigkeitsflüge am Oberrhein, besonders durch den Prinz Heinrich Flug 1914, diente er im Krieg der militärischen Ausbildung von Feldpiloten und Beobachtern sowie als Kriegsgefangenenlager. Ab Ende 1918 von den Franzosen besetzt, konnte er erst ab 1931 wieder hergerichtet und ausgebaut werden. Durch die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug wurde er zum Dreh- und Angelpunkt für Wissenschaft und Forschung, Weiterbildung von Piloten sowie für Flugtage und Vergleichsfliegen. Von der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und als Standort von Jacobs-Schweyer-Flugzeugbau genutzt, wurde der Flugplatz zwischen April 1945 und 1992 von der U.S.-Army beflogen, das übrige Gelände aber erst 2008 vollständig geräumt. Ab den 1970er Jahren durfte der Flugplatz an Wochenenden von den Hessen-Fliegern und der TU Darmstadt vertraglich mitbenutzt werden. Weitere Informationen zur heutigen vielfältigen Nutzung stehen auf der Webseite des TU-Windkanals unter
"August Euler Flugplatz – Forschungs und Versuchsfreigelände der TU Darmstadt.  

http://www.sla.tu-darmstadt.de/windkanal/einrichtungen_sla/flugplatz_sla/index.de.jsp

 
2. Verkehrslandeplatz Darmstadt
     (auf der Lichtwiese an der Nieder-Ramstädter Straße),
     der fast vergessene zweite Flugplatz in Darmstadt

Nach dem Ersten Weltkrieg war ab 14. 12. 1918 ein Flugbetrieb auf dem Flugplatz in Griesheim bei Darmstadt (ab Januar 1909 genutzt von August Euler) aufgrund der französischen Besatzung nicht mehr möglich. Daher überließ die Stadt Darmstadt dem am 8. 2. 1924 gegründeten "Bund Hessischer Flieger Darmstadt - Hessen-Flieger E.V." auf Antrag das große Lichtwiesengelände südöstlich der Stadt am Böllenfalltor zur Nutzung als Flugplatz für den Flugsport und den künftigen Verkehrsflug.

Mit Schaufeln machten sich die Hessen-Flieger an die Arbeit und legten auf der Grasnarbe ein Flugfeld an. Am 13./14. 7. 1924 wurde das Fluggelände in Anwesenheit des Hessischen Staatspräsidenten Carl Ulrich mit einer Flugveranstaltung eingeweiht. Große Bevölkerungsmassen strömten herbei, um Kunst- und Rundflüge sowie die erste Landung eines „Junkers“-Verkehrsflugzeugs mitzuerleben. Emil Schwarz schrieb 1925 in "Kunst und Leben": "Es dürfte wenige Flugplätze in Deutschland geben, die landschaftlich so schön und für den Verkehr so günstig gelegen sind wie der Flugplatz der Hessen-Flieger in Darmstadt." Be grenzt war er im Westen durch die Nieder-Ramstädter Straße mit dem Alten Friedhof und Schrebergärten, im Süden vom Hochschulstadion und im Osten von einem Waldweg entlang der Odenwaldbahn mit einem Hauch von Waldgeschichte. Schon viel früher genoss hier neben Wolfgang von Goehte auch Matthias Claudius die Natur.

Mit einer Tankanlage zur Sicherstellung des Flugbetriebs auf dem Flugplatz stand dem Deutschen Luftwettbewerb vom 27. bis 30. 9. 1924 mit einem 5-Länder-Flug mit über 525 Flugkilometern nichts mehr im Weg. Durch den aufgeweichten Boden nach längeren Regenfällen ereigneten sich beim Landen zwei kleinere Flugunfälle. Beim Umkreisen der Ludwigsäule verlor ein Flugzeug seinen Motor. Glücklicherweise gelang dem Pilot eine Notlandung..

Es zeigte sich aber bald, dass der Bund Hessischer Flieger mit den geringen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die wichtigste der vorgesehenen Aufgaben, den Anschluss Darmstadts an das Luftverkehrs- netz, nicht durchführen konnte. Die Stadtverwaltung leitete noch 1924 die Gründung der Hessischen Flugbetriebs A.G. Darmstadt" - Verkehrsflug und Sportflug - (Hefag) ein. Das Startkapital in Höhe von 130.000 Reichsmark diente dem weiteren Ausbau des Platzes zum Verkehrslandeplatz. Beteiligt waren in erster Linie die Stadt, die Technische Hochschule, der hessische Staat und die Deutsche Aero Lloyd A.G. sowie zahlreiche heimische Industrielle, Banken und Privatpersonen.

Nach notwendigen Drainagearbeiten durch die Stadt sowie Errichtung einer 30 x 21 Meter großen Flughalle mit Reparaturwerkstatt (in Holzkon- struktion und vollkommener Blechverkleidung) mit einem Tower wurde der Platz am 1. 6. 1925 von den Hessen-Fliegern der Hefag übergeben. Mit einem Flugtag wurde zum zweiten Mal die Eröffnung, diesmal als offizieller Verkehrslandeplatz, gefeiert. Ein Höhepunkt war die Taufe dreier Motorflugzeuge, eines erhielt den Namen „Darmstadt“. Eine Fliegerschule für Verkehrs- und Sportflug wurde eingerichtet. Flugbetrieb und Passkontrolle stellte der Diensthabende der Polizeiflugwache, die dem Polizeiamt Darmstadt unterstellt war, sicher. Neben dem 1927 errichteten Restaurant wurden nach und nach die Nebengebäude erweitert. Das Rollfeld hatte in Nordsüd-richtung eine Länge von 500 Metern und war durch Fähnchen sowie im Bedarfsfall angeforderter Nachtbefeuerung markiert. Zur Orientierung bei der Landung half tagsüber eine weithin sichtbare Rauchfahne eines Feuers in einer Ölwanne.    Da ein Luftverkehr auf lange Sicht nicht ohne Subventionen denkbar war, bewilligten sowohl Staat als auch Stadt weitere Mittel für die geplanten Luftver-kehrslinien über Darmstadt. Die am 6. 1. 1926 gegründete Deutsche Luft Hansa A. G. nahm von insgesamt 8 Strecken am 12. 4. 1926 mit einer „Junkers F 13“ eine regelmäßige Fluglinie über Darmstadt, Mannheim nach München auf (Flugzeit 4 Std., 75 Reichsmark). Die Ansprachen zu diesem für Darmstadt wichtigen Ereignis schlossen mit einem abgewan-delten Wilhelm-Busch-Zitat:

"Eins, zwei, drei im Sauseschritt eilt die Zeit, Darmstadt fliegt mit."

Emil Schwarz, zum Direktor der Hefag bestellt, wurde zugleich Flugleiter der Deutschen Luft Hansa. Mehrmals täglich führten zwei oder drei Strecken über Darmstadt. Durch die Ausdehnung des Luftverkehrs waren von Darmstadt aus mit Umsteigen Ziele wie Amsterdamm, Zürich oder Paris erreichbar, Luftpost- und Luftfrachtbeförderung nahmen ständig zu. Durch Wirtschaftskrise und politischen Wandel wies der Sommerflugplan 1934 nur noch eine Flugstrecke über Darmstadt nach Baden-Baden aus. Ab Juni wurde der gesamte Flugbetrieb auf den Flugplatz Griesheimer Sand verlegt. Durch die Verfolgung neuer politischer Ziele wurde der Luftlinienverkehr über Darmstadt im Winter eingestellt. Zudem hatten leistungsfähigere Passagierflugzeuge eine Zwischenlandung in Darmstadt überflüssig gemacht.  Neben der Hefag nutzten die Flugvereine das Fluggelände nicht nur für den Motorflug sondern vor allem auch zur Anfängerschulung mit Gummisailstart auf Gleit-fliegern vom Typ "Zögling" oder "Hol's der Teufel". Zahlreiche Flugveranstaltungen und Feste prägten das Bild. Experimente mit neuen Flugzeugkonstruktionen und der erfolgreiche Autostart der Hessen-Flieger im Oktober 1929 mit einem "Zögling“ (der Anfang des heute gebräuchlichen Windenstarts) fanden in Luftfahrt-kreisen große Beachtung. Auch ein Prallluftschiff ankerte 1933 längere Zeit für Filmaufnahmen auf dem Flugplatz.

Besonders hervorzuheben ist die Arbeitsgruppe des Forschungs-Institutes für Segelflug der Rhön-Rossitten-Gesellschaft (R.R.G.), eng verknüpft mit dem Lehrstuhl für Flugmeteorologie der Technischen Hochschule unter Leitung von Prof. Dr. Walter Georgii. Die Verhältnisse in den höheren Luftschichten sowie das Wetter waren nur ungenügend erforscht aber wichtig für den Flugbetrieb. Die Bestätigung der Aufwinde brachte dem Segelflug den entscheidenden Fortschritt. Nehring war am 30. April 1928 von der Lichtwiese gestartet und kreiste mit abgestelltem Motor in einem Sportflugzeug im thermischen Aufwind über der Ebene. Dies war die entscheidende Wende für die Weiterentwicklung im Segelflug. Die 1926 begonnenen Versuchsaufstiege der R.R.G. wurden am 1. 4. 1929 von der durch die Flugsicherung eingerichteten Wetterflugstelle Darmstadt weitergeführt. Sie zog Ende 1933 auf den Flughafen Darmstadt in Griesheim um.   Der 1934 aus Sicherheitsgründen und Platzmangel stillgelegte Flugplatz diente so manchem Segelflieger als Notlandeplatz. Anfang des Zweiten Weltkrieges wurde der Platz von der Militärverwaltung als Ersatz-Feldflugplatz ausgebaut, aber nicht genutzt. Nur Flak-Geschütze zielten von hier auf feindliche Flugzeuge. Nach dem Zweiten Weltkrieg pflegten die Modellflieger ihren Sport auf der Lichtwiese. Auf dem freien Wiesengelände entstand eine Randbebauung und ab Mitte der 1960er Jahre nach und nach ein großer Campus der Technischen Universität Darmstadt. Heute erinnert bis auf den Nehringweg nichts mehr an die Ereignisse und Forschungsarbeit auf dem für Darmstadt damals wichtigen "Alten Flugplatz.

Jetzt gibt im 103. Band der Darmstädter Schriften über den "Verkehrslandeplatz Darmstadt-Lichtwiese" einen detaillierten Überblic.




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